Nachhaltig reisen

Reisen und Umweltschutz –
Vision einer naturpositiven Zukunft

Reisen und Tourismus sind untrennbar mit der Natur und der Biodiversität verbunden. Die Sehnsucht, die Natur zu entdecken und zu erleben, treibt mehr als die Hälfte der Nachfrage in der Tourismusbranche an, vom entspannten Tagesausflug ins Grüne bis hin zur unvergesslichen Safari in Afrika.

Doch die Natur ist in Gefahr! Weltweit ist jede vierte Spezies vom Aussterben bedroht, und die Anzahl der Individuen pro Art ist seit 1970 um 68 Prozent gesunken. In diesem Artikel möchten wir dir zeigen, wie verantwortungsvolles Reisen eine entscheidende Rolle beim Schutz unseres Planeten und seiner natürlichen Schätze spielen kann.

Die unverzichtbare Rolle der Natur für das Gleichgewicht des Lebens

Die Natur ist die Grundlage für jegliches Leben auf der Erde und ist für unser menschliches Dasein unerlässlich. Sie umfasst sowohl unbelebte natürliche Materialien wie Erde, Wasser und Gestein als auch alle lebenden Wesen, vom winzigen Bakterium bis hin zum riesigen Blauwal.

Auch wir Menschen sind Teil dieser Natur – wir sind nur eine von geschätzten 8 Millionen Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und anderen Organismen, die sich die natürlichen Ressourcen der Welt teilen und über ein komplexes Netzwerk miteinander verbunden sind.

Jede Art innerhalb dieser biologischen Vielfalt oder Biodiversität hat einzigartige Merkmale entwickelt, um in einer lebendigen Gemeinschaft oder einem Ökosystem zu überleben und mit zahlreichen anderen Arten zu koexistieren.

Allerdings wurden seit 1970 etwa 75% der Landfläche und 66% der Meeresumgebungen durch nachhaltig unvernünftiges menschliches Handeln signifikant verändert. Die menschlichen Aktivitäten erschöpfen die natürlichen Ressourcen des Planeten, führen zu massiven Rückgängen der Biodiversität und bringen die Natur aus ihrem Gleichgewicht.

Tatsächlich fällt der Tag, an dem die menschliche Nachfrage nach natürlichen Ressourcen die Fähigkeit des Planeten übersteigt, sie zu ersetzen (Erdüberlastungstag), jedes Jahr früher aus: Im Jahr 1970 war es der 30. Dezember, während es im Jahr 2022 bereits der 28. Juli war.

Die aktuellen Anforderungen an die natürliche Welt entsprechen der Leistung von 1,75 Erden und belasten die Biosphäre immer stärker, was zu beispiellosen globalen Rückgängen der Biodiversität führt.

Der Verlust der Biodiversität und das wahrscheinliche Zusammenbrechen von Ökosystemen gelten heute als drei der schwerwiegendsten Risiken für die Welt in den nächsten zehn Jahren.

Wenn wir weiterhin diesen schädlichen Weg fortsetzen, birgt dies extreme Gefahren für die Natur und eine kritische Unsicherheit für die globale Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Gefahren für die Natur

Um die Natur wirksam zu schützen, ist es wichtig, die großen Gefahren für unsere Umwelt zu kennen und zu verstehen, wie diese globalen Herausforderungen miteinander verknüpft sind. Die größten Bedrohungen für die Natur sind vielfältig und beeinträchtigen unsere Umwelt auf unterschiedliche Weise:

Lebensraumverlust: Die stetige Ausbreitung menschlicher Siedlungen, der Landwirtschaft und der Industrie führt zu einer Zerstörung und Fragmentierung natürlicher Lebensräume. Dies gefährdet zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die auf intakte Ökosysteme angewiesen sind.

Klimawandel: Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat weitreichende Auswirkungen auf die Natur. Er führt zu Temperaturanstiegen, veränderten Niederschlagsmustern und dem Abschmelzen von Gletschern, was den Lebensraum vieler Arten bedroht und zu Artensterben führt.

Umweltverschmutzung: Die Verschmutzung durch Abfälle, Chemikalien, Pestizide und Schwermetalle beeinträchtigt die Qualität von Wasser, Luft und Böden und gefährdet sowohl Tier- als auch Pflanzenarten.

Invasive Arten: Die Einführung nicht-einheimischer Arten in neue Ökosysteme kann das Gleichgewicht stören und heimische Arten verdrängen.

Überfischung und Abholzung: Unsere unkontrollierte Nutzung natürlicher Ressourcen gefährdet viele Arten und ihre Lebensräume. Die Überfischung der Meere und die rücksichtslose Abholzung von Wäldern sind besorgniserregende Beispiele dafür.

Wildtierhandel: Der illegale Handel mit Wildtieren und Pflanzen führt zu einem massiven Rückgang der Populationen und bedroht zahlreiche Arten. Zudem können dabei wild lebende Tiere und domestizierte Tiere im Handel und auf Märkten in Kontakt kommen, was  ideale Bedingungen für das Entstehen neuer Krankheiten schafft und eine Übertragung auf den Menschen ermöglicht.

Künstliche Strukturen: Der Bau von Dämmen, Straßen, Staudämmen und anderen künstlichen Strukturen verändert natürliche Flussläufe und Landschaften, was sich negativ auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirkt.

Diese Gefahren stehen in Verbindung zueinander und verstärken sich oft gegenseitig. Nur durch einen ganzheitlichen Ansatz wird die Menschheit in der Lage sein, eine Lösung für diese existentiellen Gefahren zu finden. Die Biodiversität hat einen erheblichen Einfluss sowohl auf aufkommende Krankheiten als auch auf den Klimawandel. Daher ist es entscheidend, den Verlust der Biodiversität anzugehen, um diesen Problemen entgegenzuwirken.

Natur und nachhaltige Entwicklung

Weltweit erkennen Regierungen zunehmend, dass der Verlust an Natur nicht nur eine Umweltfrage ist, sondern auch unsere Wirtschaft und Gesellschaft bedroht. Die Kosten des Nichtstuns übersteigen bei Weitem die Kosten des Handelns.

Die Einführung der 2015 verabschiedeten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) hat eine Reihe von Zielen festgelegt, die darauf abzielen, die Bedürfnisse von Mensch und Planet zu erfüllen.

Die SDGs, die mit der Biosphäre in Verbindung stehen, sind besonders grundlegend, da Gesellschaften und Volkswirtschaften untrennbar mit der Biosphäre verbunden sind und von ihrem Schutz abhängen.

Reisen und Umweltschutz: Abhängigkeiten der UN-Nachhaltigkeitsziele.
Die wirtschaftlichen Ziele können nur erreicht werden, wenn die sozialen Ziele erfolgreich sind, und diese wiederum hängen von der Erfüllung der Umwelt- oder Biosphärenziele ab.

Diagramm Stockholm Resilience Centre

Das Stockholm Resilience Centre hat in einem Diagramm die Abhängigkeiten zwischen den SDGs dargestellt. Die wirtschaftlichen Ziele können nur erreicht werden, wenn die sozialen Ziele erfolgreich sind, und diese wiederum hängen von der Erfüllung der Umwelt- oder Biosphärenziele ab.

Ein Fokus auf soziale oder wirtschaftliche Aspekte und die Vernachlässigung der Natur führen zwangsläufig zu einem „von Menschen verursachten Rückgang des Lebens auf der Erde“.

Diese enge Verflechtung zwischen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft verdeutlicht, wie wichtig es ist, die natürliche Umwelt zu schützen und nachhaltige Maßnahmen zu ergreifen, um das Gleichgewicht von Mensch und Natur zu bewahren.

Nur wenn wir diese Abhängigkeiten verstehen und entsprechend handeln, können wir eine nachhaltigere und lebenswertere Zukunft für uns und kommende Generationen gewährleisten.

Vision einer Zukunft die “naturpositiv” ist?

Das World Travel & Tourism Council (WTTC), das die weltweite Reise- und Tourismusbranche vertritt, hat sich zum Ziel gesetzt, dass Tourismusbetriebe zu Hütern der Natur werden und verfolgt gemeinsam mit vielen weltweiten Organisationen die Vision einer Welt, die bis 2030 „nature positive“ sein soll.

Aber was heißt “naturepositiv” eigentlich?

Nach Definition bedeutet „nature positive“, die katastrophalen Verluste an Natur zu stoppen und umzukehren, damit sich die gesamte lebendige Welt von ihrem derzeit erschöpften Zustand erholen kann. Dies beinhaltet die Minimierung bereits verursachter Schäden und das Ergreifen positiver Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur, um insgesamt von Nutzen für die Artenvielfalt zu sein.

Das Ziel ist es, bis 2030 eine Netto-Null an Zerstörung der Artenvielfalt zu erreichen und in weiterer Folge eine positive Entwicklung der Ökosysteme und Biodiversität zu fördern.

Reisen und Natur - Naturpositiv bis 2030: Das Ziel ist es, bis 2030 eine Netto-Null an Zerstörung der Artenvielfalt zu erreichen und in weiterer Folge eine positive Entwicklung der Ökosysteme und Biodiversität zu fördern.

Grafik Naturepositive.org

Tourismus und die Natur

Die Natur verleiht Reisezielen eine einzigartige Identität und ist ein wesentlicher Teil ihres Reizes für uns Reisende. Egal, ob wir uns in urbanen Gegenden aufhalten oder in die Natur eintauchen, der Naturtourismus hat in den letzten Jahren rapide zugenommen und macht etwa 7% der weltweiten Tourismusausgaben aus.

Diese Art des Reisens generiert Einnahmen von über 600 Milliarden US-Dollar und bietet Ländern die Möglichkeit, ihre Wirtschaften zu entwickeln und zu diversifizieren, während sie gleichzeitig ihre Biodiversität und ihr natürliches Erbe schützen.

Für uns ist die Begegnung mit Wildtieren oft der Hauptanreiz für den Naturtourismus. Ob es um die Faszination von Wildtierbeobachtungen geht oder darum, inmitten unberührter Natur neue Erfahrungen zu machen – diese Art des Reisens trägt nicht nur zu den Einnahmen der geschützten Gebiete bei, sondern unterstützt auch den Naturschutz, fördert nachhaltige Entwicklung und stärkt lokale Gemeinschaften.

Gerade in Regionen mit reicher Biodiversität können die Einnahmen aus dem Wildtier-Tourismus eine bedeutende Rolle für die örtlichen Tourismus-Einkünfte spielen.

Die Begegnung mit der Natur und ihren faszinierenden Geschöpfen kann für uns Reisende nicht nur eine unvergessliche Erfahrung sein, sondern auch dazu beitragen, dass sich diese einzigartigen Landschaften und Artenvielfalt erhalten.

Tourismus und Naturschutz - Reisen und Naturschutz: Die Begegnung mit der Natur und ihren faszinierenden Geschöpfen kann für uns Reisende nicht nur eine unvergessliche Erfahrung sein, sondern auch dazu beitragen, dass sich diese einzigartigen Landschaften und Artenvielfalt erhalten.

Welchen Einfluss hat Tourismus auf die Natur?

Leider haben Reisen und Tourismus, wie sie derzeit praktiziert werden, auch negative Auswirkungen auf unsere natürliche Umwelt. Der Verlust an Biodiversität wird von fünf großen Treibern beeinflusst, die wir im Folgenden näher beleuchten möchten.

Land- und Meeresnutzung

Die Landnutzung hat einen maßgeblichen Einfluss auf Lebensräume und Biodiversität. Selbst kleine Eingriffe in die Natur können bei falscher Planung enorme Auswirkungen auf Ökosysteme haben. Zum Beispiel, wenn durch Bauprojekte natürliche Migrationswege von Tieren durchtrennt werden oder Wildtierpopulationen von Nahrungs- und Wasserquellen abgeschnitten werden.

Der Bau von Tourismusinfrastruktur kann die Natur negativ beeinflussen, indem Waldflächen gerodet oder artenreiche Wiesen und Böden versiegelt werden.

Auch die Lieferkette touristischer Einrichtungen beeinflusst die Meer- und Landnutzung, zum Beispiel durch die nicht nachhaltige Beschaffung landwirtschaftlicher Produkte oder von Fisch.

Um diesen Problemen entgegenzuwirken, sind Umweltverträglichkeitsprüfungen von immenser Wichtigkeit, und die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften, insbesondere indigenen Gruppen, ist essenziell für die nachhaltige Entwicklung von Tourismusprojekten.

Ausbeutung von Tier und Natur

Für Tourismusaktivitäten werden Tiere und die Natur oft direkt oder indirekt ausgebeutet. Sei es die Übernutzung natürlicher Ressourcen oder die Zurschaustellung wilder Tiere für Attraktionen oder Selfies.

Nachhaltiger Tourismus, der „nature positive“ sein will, muss Tierschutz in all seine Überlegungen einbeziehen und absolut vermeiden, Wildtiere für touristische Zwecke in Gefangenschaft zu halten.

Ein weiterer Aspekt, der zum Verlust von Biodiversität beiträgt, ist der illegale Handel mit wilden Tieren und Pflanzen. Hier müssen sowohl Hotels, Reiseveranstalter als auch wir Reisende sensibel sein. Denn oft werden Tiere und Pflanzen illegal aus der Natur entnommen, um als Lebensmittel, Souvenirs oder Attraktionen zu dienen.

Der Reisesektor hat die verantwortungsvolle Aufgabe, Bewusstsein für die illegalen Praktiken bei Mitarbeitern und Kunden zu schärfen und spielt eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels.

Klimawandel

Der Klimawandel stellt eine der größten Herausforderungen für die Menschheit dar und bedroht nachhaltige Entwicklung, die globale Gesellschaft und die Biodiversität in immensem Maße. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) prognostiziert, dass bei einer Erderwärmung von 1,5°C bis zu 14% aller am Land lebenden Arten aussterben könnten; bei einer Erwärmung von 3°C könnten bis zu 29% ernsthaft gefährdet sein.

Als eine der wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten, die weltweit Wachstum und Entwicklung antreibt, trägt der Reise- und Tourismussektor zum Klimawandel bei und ist gleichzeitig stark davon betroffen.

Angesichts eines erwarteten Anstiegs der CO2-Emissionen im Verkehrssektor um 25% bis 2030 (im Vergleich zu 2016) muss der Reise- und Tourismussektor einen ehrgeizigeren Kurs in Richtung Net-Zero setzen, der ganzheitliche Ansätze erfordert, bei denen Umweltziele wie der Schutz der Biodiversität und der Natur neben Klimaschutzbemühungen berücksichtigt werden. 

Verschmutzung

Eine Vielzahl von Substanzen und Materialien aus dem Reise- und Tourismussektor gelangen in natürliche Umgebungen, wo sie der Biodiversität schaden oder toxisch wirken können. Selbst wenn sie ordnungsgemäß entsorgt werden, landen Plastik und andere Abfälle oft durch Wind oder Wasser in der Natur.

Doch Verschmutzung kommt nicht nur durch Abfallprodukte zustande; sie umfasst auch absichtlich freigesetzte Substanzen in Ökosysteme wie Pestizide und Herbizide, die Umweltschäden verursachen.

Licht- und Lärmverschmutzung, die durch Reise- und Tourismusaktivitäten wie Hotelanlagen und Fahrzeuge entstehen, wirkt sich auch negativ auf die Tierwelt aus.

Künstliches Licht in der Nacht wurde als Ursache für den Rückgang von Insektenpopulationen identifiziert, während Licht in der Nähe von Stränden brütende Schildkröten desorientiert.

Der Lärm von Booten und Schiffen wiederum kann Wale und andere Meerestiere stören und desorientieren.

Invasive Arten

Eine der Hauptbedrohungen für bestehende Ökosysteme ist das Eindringen von Pflanzen- und Tierarten aus anderen Teilen der Welt, die oft als nicht-einheimische oder invasive Arten bezeichnet werden.

Seit 1980 hat sich die Anzahl der invasiven Arten um 40% erhöht, was mit dem zunehmenden Handel und den Trends in der menschlichen Bevölkerungsdynamik und auch dem Tourismus zusammenhängt.

Entfernt aus ihrem eigenen Ökosystem und ohne die Raubtiere, Parasiten und andere Faktoren, die sie dort im Gleichgewicht halten, können diese Arten sich in ihren neuen Umgebungen schnell vermehren und ausbreiten.

Während einige invasive Arten absichtlich als Zierpflanzen, exotische Haustiere oder Nutztiere eingeführt werden, gelangen andere als blinde Passagiere in Handelswaren, Naturmaterialien, importierter Erde und Ballastwasser von Schiffen in das fremde Ökosystem.

Internationale Beschränkungen für den Transport von Lebensmitteln und anderen Produkten tragen dazu bei, die Einführung und Verbreitung von invasiven Arten zu reduzieren.

Es müssen mehr Anstrengungen getroffen werden, um Reisende für diese Problematik zu sensibilisieren, damit sie nicht aktiv invasive Arten in das besuchte Reiseziel einführen oder bei der Rückkehr nach Hause fremde Pflanzen- oder Tierarten importieren.

Wie kann nachhaltiger Tourismus die Umwelt schützen?

Tourismus und Natur - Reisen und Natur

Die Verantwortung für den Schutz unserer Natur liegt nicht nur bei den Gesetzgebern, sondern auch bei uns Reisenden und vor allem in der Tourismusindustrie. Nachhaltige Tourismusunternehmen können eine proaktive Rolle einnehmen, um die Umwelt zu schützen und entstandene Schäden entgegenzuwirken.

Eine klimaneutrale Zukunft kann nur erreicht werden, wenn die Tourismusbranche eine nachhaltige und widerstandsfähige Strategie für alle ihre Aktivitäten entwickelt.

Handeln, das “nature positive” ist, wird sich schnell als ein Investment herausstellen, das nicht nur die Natur bewahrt, sondern auch einen kommerziellen Wert für die agierenden Unternehmen hat, da es verantwortungsvolle Reisende anzieht, die bereit sind für das positive Engagement einen Premiumpreis zu zahlen.

Im folgenden findest du Maßnahmen, die nachhaltige Tourismusunternehmen setzen können, um zu einer naturpositven Zukunft beizutragen:

In die Natur investieren 

Nachhaltige Tourismusunternehmen investieren einen Teil ihres Umsatzes aktiv in “naturpositive” Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise Artenschutz, Renaturierung oder Gemeinschaftsinitiativen. 

Der Schutz, die Wiederherstellung und die nachhaltige Bewirtschaftung von Ökosystemen, wie Wäldern und Feuchtgebieten kann zum Beispiel die Wassersicherheit verbessern, während der Schutz natürlicher Kohlenstoffsenken wie Korallenriffen, Sümpfen und Mangroven für die Bindung und Speicherung von CO2 unerlässlich ist. 

Einige dieser Lebensräume zählen zu den beliebtesten Erlebnissen für Naturtouristen. Allein deshalb sind Investitionen in Naturschutzmaßnahmen ein Win-Win-Szenario für die Natur, die Betriebe und uns Reisende. 

Unterstützung lokaler Naturschutzinitiativen

Immer mehr nachhaltige Hotels und Reiseveranstalter kooperieren mit NGOs und Community-Initiativen vor Ort, die wichtige Naturschutzarbeit leisten – wie beispielsweise Aufforstungsprojekte oder den Schutz von Meeresschildkröten.

Die Organisationen erhalten nicht nur finanzielle Unterstützung für ihre wertvolle Arbeit, sondern gewinnen in den Besuchern oft langjährige Unterstützer. 

Förderung von grünen Technologien und Innovationen

Nachhaltige Tourismusbetriebe setzen schon länger auf den Verzicht auf Einwegplastik. Durch Innovationen, wie beispielsweise kompostierbare Verpackungen für Toilettenartikel, wird dies auch immer leichter umsetzbar.

Auch die Verwendung von erneuerbaren Energien und nachhaltigen Kraftstoffen wird von verantwortungsbewussten Konsumenten immer öfter zum Auswahlkriterium für eine Unterkunft oder ein Transportunternehmen.

Viele Tourismusbetriebe kompensieren auch ihre CO2-Emissionen indem sie Projekte zum Schutz und der Wiederherstellung der Biodiversität finanzieren. 

Tiere und ihr Wohlergehen schützen

Reisende sind fasziniert von Begegnungen mit Wildtieren. Um Tiere im touristischen Kontext zu schützen, ist es für verantwortungsvolle Veranstalter unabdingbar sicherzustellen, dass es entlang der Lieferkette strenge Tierschutzregeln gibt, die auch lückenlos kontrolliert werden und so das physische, wie psychische Wohlergehen von Tieren, die in Kontakt mit Touristen kommen gewährleistet. 

Außerdem ist es wichtig, Reisende zu sensibilisieren, damit sie in der Lage sind, schädliche Praktiken im Umgang mit Tieren zu erkennen, zu vermeiden und zu melden.

Bedrohte Tierarten schützen 

Der Naturtourismus leistet bereits heute einen wichtigen Beitrag zum Schutz bedrohter Tierarten und sensibler Ökosysteme. Indem zum Beispiel Gebühren für den Besuch von Nationalparks erhoben werden, fließen diese Einnahmen in Artenschutzinitiativen und den Schutz von Wildtieren vor Wilderern.  

In Kenia decken diese Parkgebühren die Hälfte des Jahresbudgets des Kenya Wildlife Service, der die kenianischen Nationalparks erhält und Tiere durch hochqualifizierte Ranger vor Wilderei schützt.

Solche Gebühren haben auch eine Lenkungsfunktion, um Massentourismus in empfindlichen Ökosystemen zu verhindern.

In Indonesien plant die Regierung, die Eintrittsgebühren für den Besuch des Komodo Nationalparks deutlich zu erhöhen, um das Biotop der gefährdeten Komodowarane vor zu großen Besucherzahlen zu schützen und den Erhalt des Schutzgebiets auf den Inseln Komodo, Rinca und Padar zu finanzieren. 

Die Präsenz von Touristengruppen in Nationalparks wirkt zudem abschreckend auf Kriminelle, die illegalen Aktivitäten nachgehen, wie z.B. der Wilderei oder Ressourcendiebstahl von Holz, Bodenschätzen oder Fisch.

Die Einnahmen aus dem Naturtourismus verhindern auch, dass Mitglieder der lokalen Gemeinschaften aus finanzieller Not an solchen schädlichen Aktivitäten teilnehmen.

Kampf gegen den illegalen Wildtierhandel

Im Rahmen des WTTC Global Summit in Buenos Aires haben sich Reiseveranstalter, Hotelbetreiber und Fluggesellschaften im Jahr 2018 dazu verpflichtet, gegen den illegalen Wildtierhandel anzukämpfen. Die gemeinsame Deklaration umfasst vier Kernbereiche::

  1. Übereinkunft zur Bewältigung des Problems des illegalen Wildtierhandel
  2. Förderung eines verantwortungsvollen Wildtiertourismus
  3. Sensibilisierung von Reisenden, Mitarbeitern und Lieferanten
  4. Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften und Investition vor Ort

Zusätzlich beinhaltet die Deklaration einen Report mit einer Liste illegaler und nicht nachhaltiger Wildtierprodukte. Tourismusbetriebe können diese nutzen, um Verstöße zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Zudem sollen Reisende, Mitarbeiter und Zulieferer für das Thema sensibilisiert werden. 

Mensch und Natur wieder verbinden

Durch die zunehmende Verstädterung verlieren immer mehr Menschen den direkten Kontakt zur Natur. Umso wichtiger wird es werden, diese Menschen an unsere Verbindung mit der natürlichen Umwelt zu erinnern.  

Reisen und Tourismus spielen hierbei eine bedeutende Rolle, denn durch Naturerlebnisse können Reisende eine tiefe Verbundenheit zur Umwelt entwickeln und sich für den Schutz von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen engagieren.

Die Reiseindustrie sollte auch dazu beitragen, politische Entscheidungsträger von der Wichtigkeit von Natur- und Artenschutzmaßnahmen zu überzeugen.

Besonders in Ländern, in denen der Tourismus einen großen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat, werden die Anliegen der Reisebranche auf lokaler und nationaler Ebene durch die Politik mehr Gehör finden.  

Das Paradebeispiel ist hier Namibia, wo Tourismus über 10% des BIP ausmacht. Durch das Gewicht der Reisebranche wurde der Schutz der Umwelt in den Verfassungsrang erhoben und 44% der Staatsfläche des afrikanischen Staates als Schutzgebiet ausgewiesen.

Nachhaltige Lieferketten fördern

Das eigene Handeln zu beeinflussen ist für Unternehmen mit den richtigen Zielen und Strategien relativ einfach. Ein Großteil der Auswirkungen auf die Natur findet jedoch nicht direkt im Unternehmen statt, sondern entlang der Wertschöpfungskette.

Diese indirekten Einflüsse zu adressieren ist dementsprechend schwieriger, aber für das Erreichen der Ziele der Naturpositivität unabdingbar. 

Unterstützung für Lieferanten

Touristische Unternehmen sollten ihre Lieferanten ermutigen, ebenfalls Maßnahmen für eine positive Wirkung auf die Natur zu ergreifen.

Dazu gehört der Austausch von Informationen, die Durchführung von Schulungen und die Formulierung verbindlicher gemeinsamer Ziele für den Schutz der Natur und der Artenvielfalt.

In einer Zeit, in der Organisationen von Verbrauchern, Mitarbeitern und Geschäftspartnern verstärkt für ihre Auswirkungen auf die Natur zur Verantwortung gezogen werden, stellen diese Bemühungen zunehmend einen Wettbewerbsvorteil dar.

Stärkung von und Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften

Tourismusunternehmen sollten nachhaltige lokale Betriebe durch Kooperationen unterstützen und damit die Wirtschaft der Destination stärken und gleichzeitig ein Signal für mehr verantwortungsvolles Unternehmertum setzen, das die negativen Auswirkungen auf die Natur reduziert. 

Die Einbindung der lokalen Gemeinschaften in den nachhaltigen Tourismusbetrieb kann das Umweltbewusstsein vor Ort stärken und durch die Chancen des naturbasierten Tourismus zu finanziellen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Vorteilen für die lokalen Communities führen.

Ganz wichtig ist hier auch die Einbindung indigener Völker, da 80% der weltweiten Artenvielfalt auf indigenen Gebieten zu finden ist.

Die Unterstützung indigener Rechte kann ein äußerst effektiver Weg sein, um die Artenvielfalt zu schützen und Menschen mit einer starken Verbindung zum Land über dessen Nutzung entscheiden zu lassen. Gleichzeitig eröffnen sich dadurch Tourismusmöglichkeiten und Möglichkeiten zur lokalen Einkommensgenerierung.

Wie kann ich als Reisender die Umwelt schützen?

Wie kann ich als Reisender die Umwelt schützen?

Hier sind fünf Themenkomplexe, wie du als Reisender die Natur und Umwelt schützen kannst:

Reduziere deinen ökologischen Fußabdruck

Wenn du auf Reisen bist, wähle umweltfreundliche Transportmittel wie öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder oder gehe zu Fuß, anstatt auf umweltschädliche Optionen zurückzugreifen. Achte darauf, Einwegplastik zu vermeiden und Müll ordnungsgemäß zu trennen und zu recyceln. Verbrauche Wasser und Energie sparsam, indem du beispielsweise in deiner Unterkunft unnötige Beleuchtung und Klimaanlagen ausschaltest. Durch diese einfachen Maßnahmen kannst du deinen CO2-Ausstoß reduzieren und die Umweltbelastung minimieren.

Respektiere die Tierwelt

Beim Natur- und Tierbeobachtungstourismus ist es wichtig, die Tiere und ihren Lebensraum zu respektieren. Vermeide Touren und Attraktionen, die wilde Tiere in Gefangenschaft halten oder schädliche Praktiken unterstützen. Sei ein verantwortungsbewusster Besucher und halte einen angemessenen Abstand zu den Tieren ein, um sie nicht zu stören oder zu gefährden. Unterstützte lokale Artenschutzinitiativen finanziell oder durch freiwillige Arbeit. 

Erhalte natürliche Ressourcen

Wenn du die Natur erkundest, bleibe auf den markierten Wegen und vermeide es, empfindliche Ökosysteme zu betreten oder zu stören. Achte darauf, keine seltenen Pflanzen oder Tiere zu stören und hinterlasse keine Abfälle in der Natur. Vielleicht kannst du dich während deines Aufenthalts sogar in einem Projekt zur Aufforstung von Bäumen oder Korallen engagieren oder an einem Beach-Cleanup teilnehmen. 

Unterstütze lokale Gemeinschaften

Wenn du reist, erkunde die Kultur und Traditionen der lokalen Bevölkerung und unterstütze sie, indem du nachhaltige und tierschutzkonforme Produkte und Dienstleistungen konsumierst. Wähle umweltbewusste Unterkünfte und Restaurants, die Bio-Lebensmittel aus der Region verwenden, um die örtliche Wirtschaft zu stärken und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Indem du in die Gemeinschaften vor Ort investierst, hilfst du, ihre Lebensqualität zu verbessern und ihre kulturelle Identität zu bewahren.

Schaffe Bewusstsein und teile deine Erfahrungen

Nutze deine Reiseerfahrungen, um Bewusstsein für Naturschutz und Nachhaltigkeit zu schaffen. Teile deine Erlebnisse und Bilder in den sozialen Medien und erzähle anderen von deinen Erfahrungen und Eindrücken. Zeige auf, wie wichtig der Schutz der Natur ist und wie jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann. Engagiere dich aktiv in lokalen Naturschutzprojekten und unterstütze Organisationen, die sich für den Erhalt der Umwelt einsetzen. Indem du dein Wissen und deine Begeisterung teilst, kannst du andere inspirieren, ebenfalls umweltbewusst zu handeln und die Natur zu schützen.

Reisen und Umweltschutz: Ist naturpositiver Tourismus möglich?

Der Weg zur Naturpositivität ist anspruchsvoll, aber keineswegs unmöglich. Als umweltbewusste Reisende und aktive Teilnehmer im nachhaltigen Tourismus können wir eine entscheidende Rolle spielen, indem wir bewusste Entscheidungen treffen und unsere Stimme für den Schutz der Natur erheben.

Wähle deine Reiseziele mit Bedacht und unterstütze nachhaltige Tourismusunternehmen, die sich aktiv für den Schutz der Umwelt einsetzen. Informiere dich über deren Maßnahmen und unterstütze Initiativen, die sich für den Erhalt der Artenvielfalt und den Schutz bedrohter Lebensräume engagieren.

Während deiner Reisen achte bitte darauf, die Natur und ihre Bewohner zu respektieren. Vermeide störende Eingriffe und unterstütze keine Aktivitäten, die Tiere oder Pflanzen ausbeuten oder gefährden.

Sei ein Vorbild für andere Reisende, indem du bewusst mit der Umwelt umgehst und andere dazu inspirierst, ebenfalls verantwortungsbewusst zu reisen. Teile deine Erfahrungen und Erkenntnisse über nachhaltigen Tourismus mit Familie und Freunden, um das Bewusstsein weiter zu verbreiten.

Gemeinsam können wir eine Naturpositivität erreichen, die nicht nur die Umwelt und Artenvielfalt schützt, sondern auch die Lebensqualität der Menschen vor Ort verbessert und wertvolle Naturerlebnisse für kommende Generationen bewahrt.

Die Natur ist unsere kostbarste Ressource, und es liegt in unserer Verantwortung, sie zu schützen und zu bewahren. Lass uns gemeinsam den Weg zu einer naturpositiven Zukunft einschlagen und eine Welt gestalten, in der Mensch und Natur in harmonischer Balance leben.

Mach dich auf den Weg zu deinem nächsten nachhaltigen Abenteuer und trage dazu bei, dass die Schönheit und Vielfalt der Natur noch lange Zeit für uns und kommende Generationen erhalten bleibt. Die Zukunft liegt in unseren Händen – lasst uns sie naturpositiv gestalten!

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